Wissenschaftliche
Bezeichnung:
Oryctolagus cuniculus
Natürliche
Verbreitung:
globale Vorkommen
Allgemeine Beschreibung:
Das Europäische Wildkaninchen lebt heute
im größten Teil Europas, in Südamerika,
Australien, Neuseeland sowie auf einigen Inseln
im Atlantik, Pazifik und im Indischen Ozean.
Ausbreitung:
Den weitaus größten Teil
dieses Verbreitungsgebietes verdankt das Kaninchen
dem Menschen. Anfangs als beliebtes Fastenessen
und Jagdobjekt gehalten oder als Nahrungsreserve
für Seefahrer auf einsamen Inseln ausgesetzt,
ist es in vielen Gebieten heutzutage ein verhasster
Einwanderer, den man - häufig aber vergeblich
- versucht, wieder loszuwerden. Auch in Mitteleuropa
ist das Kaninchen erst im Mittelalter ausgesetzt
worden. Es war zwar bis zur letzten Eiszeit hier
heimisch, wurde aber dann vom Eis auf die Iberische
Halbinsel und das westliche Nordafrika zurückgedrängt.
Bereits in der Römerzeit wurden Kaninchen
in Gefangenschaft gehalten. Wahrscheinlich waren
es Nachfahren dieser Kaninchen, die man zunächst
in Frankreich in ummauerten Gehegen, sogenannten
Leporarien, hielt. Föten oder gerade geborene
Junge galten als erlaubte Fastenspeise.
Aus den Leporarien entwichen hin und wieder einzelne
Kaninchen, andere mögen bewusst ausgesetzt
worden sein, so dass es schon vor dem 11. Jahrhundert
in Frankreich freilebende Wildkaninchen gegeben
haben dürfte. Anfang des 12. Jahrhunderts
wurden dann Wildkaninchen in England eingebürgert.
Im 16. und 17. Jahrhundert sind die ersten Kaninchen
in Deutschland ausgesetzt worden. Als häufigeres
Jagdwild wird es aber erst im 19. Jahrhundert
genannt.
Bereits mit den ersten Siedlern kamen im 18. Jahrhundert
zunächst 24 Kaninchen nach Australien. Sie
bildeten den Grundstock für die katastrophale
Ausbreitung der Wildkaninchen in diesem Kontinent,
die man erst durch die Einführung der Myxomatose
eindämmen konnte. Im Jahr 1900 war die australische
Population auf schätzungsweise 20 Millionen
angewachsen.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Kaninchen
auch in Neuseeland eingeführt. Kaninchen
wurden auch auf zahlreichen anderen, kleineren
Inseln ausgesetzt, um vor allem Schiffbrüchigen
eine Nahrungsreserve zu geben. Heute leben sogar
auf den Kerguelen-Inseln am Rande der Antarktis
Wildkaninchen.
Gestalt:
Das Kaninchen ist sicherlich jedermann
bekannt. Dennoch haben viele Laien Schwierigkeiten,
es von seinem Vetter, dem Hasen (Feldhase), zu
unterscheiden, obwohl es deutliche Unterscheidungsmerkmale
gibt.
Lebensraum:
Das Kaninchen besiedelt sandige und
hügelige Gegenden, wo Gebüsche oder
lichtes Gehölz Deckung bieten. In über
600 m Höhe fehlt das Kaninchen. Gegen extreme
Umwelteinflüsse wie Regen, Kälte und
Wind ist es sehr empfindlich.
Selten bewohnt das Kaninchen feuchte Regionen
(anders als das amerikanische Baumwollschwanzkaninchen).
Jedoch hat sich das Kaninchen in besonderer Weise
der vom Menschen geschaffenen »Kultursteppe«
angepasst. Es siedelt selbst inmitten großer
Städte, in Parks, Gärten und auf Friedhöfen.
Nach dem Krieg wurden auch die großen Trümmerflächen
Siedlungsgebiet des Wildkaninchens.
Lebensweise:
Das Wildkaninchen lebt im Gegensatz
zum Feldhasen gesellig und legt selbstgegrabene
Erdbaue an. Die nicht ausgepolsterten Baue werden
bevorzugt an sonnigen Hängen (auch Eisenbahnböschungen
oder Flussufern) angelegt und sind zuweilen sehr
verzweigt und recht umfangreich. Nur selten verzichten
Kaninchen auf die Anlage von Erdbauen und nehmen
andere Verstecke, Holzstapel, Gebüsche oder
natürliche Höhlungen, als Unterschlupf
an. Große Wildkaninchenkolonien können
mehrere hundert Tiere umfassen.
Es leben wahrscheinlich immer kleinere Gruppen
von bis zu 10 Tieren in einer engeren Gemeinschaft
zusammen. Eine festgelegte Rangordnung innerhalb
der »Rammler« und der »Häsinnen«,
wie männliche und weibliche Wildkaninchen
genannt werden, sorgt für ein geregeltes
Miteinander.
Ob die Kaninchen in einer Einehe oder in einer
Gemeinschaftsehe leben, ist immer noch nicht ganz
geklärt. Es kann aber wohl das ranghöchste
Männchen ohne Widerstand alle Häsinnen
seiner Gruppe für sich beanspruchen.
Kaninchen haben nur kleine Reviere und unternehmen
nur kurze Wanderungen von deutlich weniger als
einem Kilometer. Es werden dabei immer wieder
bestimmte Wege, sogenannte Wechsel, benutzt.
Das Revier wird mit Hilfe von Duftdrüsen
und Urin markiert. Auch die Angehörigen einer
Gruppe erkennen sich am »typischen«
Geruch. Kaninchen haben bestimmte Kotplätze,
die sie immer wieder besuchen, eine Eigenart,
die man auch bei frei in der Wohnung gehaltenen
Hauskaninchen ausnutzen kann, indem man einen
mit Sägespänen gefüllten Behälter
als Kaninchen-Toilette anbietet.
Fortpflanzung:
In Mitteleuropa liegt die Hauptfortpflanzungszeit
zwischen Februar und Juli. Interessant ist, dass
beim Weibchen der Eisprung erst nach der Paarung,
d. h. durch diese angeregt, erfolgt. Die Tragzeit
liegt bei 30 Tagen. Kurz nach der Geburt der Jungen
kann die Mutter bereits neu belegt werden. Ein
Weibchen kann fünf- bis siebenmal im Jahr
Junge bekommen. Pro Wurf werden 4 - 6 Junge geboren.
Im Jahresdurchschnitt wirft jedoch jedes Weibchen
nur wenig mehr als 10 Junge. Sie werden meist
in einem abseits gelegenen, mit Haaren und Heu
ausgepolsterten Setzbau zur Welt gebracht. Die
jungen Wildkaninchen sind bei der Geburt nackt,
blind und taub, sie wiegen nur 40 - 45 g.
Das Weibchen scharrt beim Verlassen des Baues
den Eingang wieder zu. Es sucht die Jungen nur
ein-, höchstens zweimal täglich auf,
um sie zu säugen.
Etwa einen Monat lang werden die Jungen von der
Mutter versorgt. Sie haben nach 8 Tagen ein Fell
und öffnen mit dem 10. Tag die Augen. Nach
einem halben Jahr werden die weiblichen Tiere
geschlechtsreif, die Männchen erst nach einem
Dreivierteljahr. Ausnahmsweise können Weibchen
aus einem frühen Wurf noch im selben Jahr
trächtig werden.
Lebenserwartung:
In Gefangenschaft gehaltene
Kaninchen werden 10 Jahre alt. Die durchschnittliche
Lebenserwartung in der Natur liegt jedoch weit
darunter. Die meisten Kaninchen überleben
bereits das erste Jahr nicht.
Feinde:
Das Wildkaninchen hat eine Reihe natürlicher
Feinde. Auch in unserer Region, wo das Wildkaninchen
ja ein später Einwanderer und somit eigentlich
ein Fremdling in der Fauna ist, haben sich viele
Tiere auf die Kaninchen eingestellt. Hauptfeinde
am Boden sind Fuchs und Iltis; aus der Luft stellen
Habicht und Adler, in der Nacht auch die großen
Eulen, wie Uhu und Waldkauz, dem Kaninchen nach.
Daneben werden vor allem junge Kaninchen auch
vom Hermelin und sogar dem kleinen Mauswiesel,
dem Bussard, den Milanen und Weihen sowie von
Krähen und Hunden verfolgt. Mitunter gräbt
auch der Dachs ganz junge Tiere aus den Wurfnestern
aus.
Der ärgste Feind ist jedoch, wie für
die meisten anderen Tiere auch, der Mensch. Heute
ist das Kaninchen in Mitteleuropa ein häufiger,
geduldeter und integrierter Bestandteil unserer
Fauna. Es ist in Europa auch nie zu größeren
Schäden durch Wildkaninchen, wie etwa in
Australien, gekommen. Das Kaninchen wird bei uns
ganzjährig und häufig bejagt.
Nahrung:
Das Kaninchen ist bekanntermaßen
ein Pflanzenfresser, wenn gleich es in der Gefangenschaft
auch unterschiedliche Fleischnahrung annimmt.
Vielleicht frisst es - wie vom Feldhasen nachgewiesen
- sogar Mäuse. Gefressen werden verschiedene
Kräuter und Gräser, Klee und Getreide.
Jedoch wird auch Heidekraut und Segge nicht verschmäht.
Schädlich kann das Kaninchen werden, wenn
es im Winter Rinde von Laub- und Nadelbäumen
ringsherum abnagt und so selbst große Bäume
zum Absterben bringt.
Hauskaninchen: Die ersten in Mitteleuropa gehaltenen
und freigelassenen Kaninchen waren bereits »Hauskaninchen«,
die jedoch noch das Aussehen normaler Wildkaninchen
hatten - oder durch Verwilderung wiedererlangt
hatten.
Aus diesen »Gehegekaninchen« begann
man bereits im 16. Jahrhundert verschiedene Formen
zu züchten. Zunächst wurde nur nach
Farben unterschieden: Es gab weiße, schwarze
und gescheckte Formen, später solche mit
unterschiedlicher Haarstruktur (Angorakaninchen)
oder Rassen verschiedener Größe oder
Gestalt (Riesen und Widder). Eine sehr kleine
Rasse ist das weiße Hermelinkaninchen, sehr
große Fleischkaninchen sind z. B. der Belgische
Riese oder der Deutsche Riesenschecke.
Ein reines Kaninchen - und keineswegs eine Kreuzung
zwischen Hase und Kaninchen (diese ist nicht möglich)
- ist das tatsächlich recht hasenähnliche
Hasenkaninchen. Rassen mit einer ungewöhnlichen
Fellfarbe sind das bunte Japaner-Kaninchen, der
Blaue Wiener sowie die schwarzgezeichneten Russenkaninchen.
Seit einigen Jahren werden eine Reihe verschiedener
»Zwergkaninchen« im Zoohandel angeboten.
Sie sind nicht zu verwechseln mit den nicht näher
verwandten amerikanischen Zwergkaninchen, einer
eigenen Gattung der Hasenfamilie.
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